Avoided Emissions

- vermiedene Emissionen sichtbar machen
PreZero Visualisierung vermiedener Emissionen: Vergleich der CO2-Reduktion durch effiziente Kreislaufwirtschaft

Wie Kreislaufwirtschaft CO₂-Emissionen vermeidet

– und warum die klassische Klimabilanz diesen Effekt oft nicht vollständig abbildet.

Der größte Klimanutzen entsteht dort, wo wir auf die energieintensive Primärproduktion von Rohstoffen verzichten und diese durch zirkuläre Lösungen ersetzen. 

Das passiert immer dann, wenn Recycling-Materialien Primärrohstoffe substitutieren oder Energie aus organischen Abfällen anstatt aus fossile Energieträger gewonnen wird.

Was sind Avoided Emissions?

Das sind Treibhausgasemissionen, die durch Kreislaufaktivitäten wie Recycling, Wiederverwendung oder Substitution fossiler Energieträger im Vergleich zu einem Referenzfall nicht entstehen.

PreZero Kreislauf der Scope 1-3 Emissionen

Das Bilanzierungs-Paradoxon der Kreislaufwirtschaft

Die klassische Klimabilanzierung nach Scope 1–3 erfasst die Emissionen, die innerhalb eines Unternehmens oder entlang seiner Wertschöpfungskette entstehen.

Für Unternehmen der Kreislaufwirtschaft entstehen dabei zwei Herausforderungen in der Klimabilanzierung:

Die sichtbare Last

Das Einsammeln von Abfällen, der Betrieb moderner Sortieranlagen und die thermische Verwertung von Reststoffen sind industrielle Prozesse.

Entsprechend entstehen betriebliche Emissionen durch Logistik, Energieeinsatz oder die thermische Behandlung von Abfall zur Energieerzeugung.

Da die klassische Bilanzierung nur diese Lasten erfasst, erscheint die Branche auf dem Papier primär als CO₂-Emittent.

Der unsichtbare Beitrag

Der positive Effekt dieser Tätigkeiten bleibt in der klassischen Bilanzierung weitgehend unsichtbar: die Einsparung von Primärrohstoffen und fossiler Energie durch stoffgleiche Substitution oder Energiegewinnung aus Abfällen.

Kreislaufwirtschaftsunternehmen sind damit bilanziell benachteiligt, da es keine anerkannte und überprüfbare Methode gibt, den durch sie erzeugten Klimanutzen auf Unternehmensebene zu messen. So kann ihnen ihr positiver Klimaeffekt (der „Handprint“) nicht zugeordnet werden.

Transformatoren zu einer nachhaltigen Wirtschaft bleiben so unerkannt.

Der Übergang von der linearen zur zirkulären Wirtschaft erfordert Messinstrumente, die den Klimanutzen zirkulärer Lösungen sichtbar machen und Investitionen in Transformationsfelder wie die Kreislaufwirtschaft unterstützen.

Die Lösung: Ein Branchenstandard zur Berechnung von Avoided Emissions

Um diesen systemischen Effekt besser quantifizieren zu können, entwickeln wir gemeinsam mit dem ifeu-Institut Heidelberg und unter Einbeziehung von internationalen Stakeholdern eine Methodik zur Berechnung von Avoided Emissions in der Kreislaufwirtschaft.

Diese ermöglicht zu belegen, dass Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Emissionsvermeidung und damit zum Klimaschutz leistet.

Belastbare Daten und transparente Methodik sind dafür entscheidend.

Unsere Zielsetzung: Investitionen in Kreislaufwirtschaft ermöglichen

Unser Ziel ist es, Avoided Emissions als belastbare Kennzahl für den Klimanutzen zirkulärer Lösungen zu etablieren und langfristig als Branchenstandard zu verankern.

Eine solche Kennzahl kann dazu beitragen,

  • Investitionsentscheidungen im Kontext von Sustainable Finance, ESG-Ratings und EU-Taxonomie fundierter zu bewerten,
  • den Klimanutzen zirkulärer Geschäftsmodelle  und Transformationsunternehmen systematisch einzuordnen
  • und nachhaltige Transformation besser vergleichbar zu machen.

So entsteht eine zusätzliche Kennzahl, die den Beitrag der Kreislaufwirtschaft zur Dekarbonisierung sichtbar macht – und Anreize für Investitionen in zirkuläre Lösungen schafft.

Methodische Regeln und Abgrenzung:

Für PreZero gilt dabei ein Grundprinzip: Die Kennzahl Avoided Emissions macht den Dekarbonisierungsbeitrag zirkulärer Lösungen sichtbar und wird nicht mit den Emissionen aus Scope 1, Scope 2 oder Scope 3 verrechnet.

Kausalität & Eindeutigkeit

Emissionen und vermiedene Emissionen werden der jeweiligen Lösung direkt zugeordnet. Klare Regeln verhindern Doppelzählungen und stellen die eindeutige Zurechnung der Einsparungen sicher.

Einflussbereiche & Systemgrenzen

Die Methodik unterscheidet analog zur Scope-Logik zwischen direkter und indirekter Beeinflussung. Die Berechnung erfolgt getrennt nach Geschäftsbereichen (z. B. werkstoffliche vs. thermische Verwertung).

Transparenz hat für uns oberste Priorität.

Klare Grenzen beim Umgang mit Avoided Emissions

Um maximale Transparenz und Verlässlichkeit zu gewährleisten, legen wir bei der Erfassung von Avoided Emissions höchste wissenschaftliche und methodische Maßstäbe an. Wir treiben die Etablierung verlässlicher Branchenstandards aktiv voran: durch den engen Austausch und die Vernetzung mit führenden internationalen Initiativen wie dem WBCSD stellen wir sicher, dass unsere Methodik stets den aktuellsten, global anerkannten Best Practices entspricht und breite Akzeptanz findet.

FAQ: Avoided Emissions

Der CO₂-Footprint beschreibt die Emissionen, die durch eine Tätigkeit entstehen.
Der Handprint beschreibt den positiven Klimaeffekt einer Lösung – etwa wenn Recyclingmaterial emissionsintensive Primärproduktion ersetzt.

Nein. Avoided Emissions sind keine Scope-Kategorie. Sie werden zusätzlich ausgewiesen und nicht mit bestehenden Emissionsbilanzen verrechnet.

Der Begriff Scope 4 wird teilweise verwendet, um vermiedene Emissionen zu beschreiben. Er ist jedoch kein offiziell standardisierter Bestandteil der Treibhausgasbilanzierung.

Kreislaufwirtschaft reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen und fossiler Energie. Dadurch entstehen entlang der Wertschöpfungskette geringere Emissionen als in linearen Produktionssystemen.